Die Osmanen sind in Südosteuropa Fremde, die erst gegen Ende des 14. Jhs. auf der Balkanhalbinsel Fuß fassten, dann aber über fast 500 Jahre dort herrschten. Der vorliegende Band befasst sich mit der politischen Kultur- und Migrationsgeschichte während der osmanischen Zeit. In vielfältigen Beiträgen wird deutlich, dass die Osmanen keineswegs eine Schreckensherrschaft ausübten, wie die christlichen Nachfolgestaaten später beklagten, sondern dass sie anfänglich durchaus Toleranz gegenüber ihren nichtmuslimischen Untertanen bewiesen. Zudem waren sie in vielen Bereichen (Militärwesen, Bauwesen, Handwerk, soziale Fürsorge) den westlichen Staaten weit überlegen. Die massenhafte Zerstörung von Moscheen und die Vertreibung der islamischen Bevölkerung nach dem Abzug der Osmanen werden in mehreren Beiträgen dargestellt.
Die Kommission für interdisziplinäre Südosteuropaforschung der Göttinger Akademie der Wissenschaften hat sich auf drei Konferenzen in den Jahren 2007-2010 mit dem Thema beschäftigt. Sie legt ihre Ergebnisse hiermit in dem Bewusstsein vor, dass die historischen Erfahrungen mit Osmanen und Islam auf dem Balkan heute erneut Aktualität gewinnen und einen neuen Diskurs auslösen.

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